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Der Bohnendealer zu Besuch auf der Kaffeeplantage - Finca Los Castanos

August 04, 2021

Liebe Coffee-Junkies,

Nach dieser schwierigen Zeit der Pandemie mit all Ihren Beschränkungen - auch der Reisefreiheit - beschloss euer Dealer des Vertrauens die Chance zu nutzen und endlich die (geopolitisch) einzige europäische Kaffeeanbauregion zu besuchen.

Dieses besondere Tal, das Valle de Agaete liegt im Nordwesten der Insel Gran Canaria, die geographisch zwar natürlich zu Afrika gehört, aber politisch zu der spanischen autonomen Region der Canaren (und somit zur EU) gehört. Dies macht das Reisen im Moment etwas einfacher.

Das Valle de Agaete

Das Valle de Agaete

Die Geschichte des kommerziellen Kaffeeanbaus in diesem Tal begann vor etwa 150 Jahren, als die erste Familie aus der Region erkannte, dass die klimatischen Bedingungen in Ihrer Heimat perfekt für den Anbau geeignet sind. Hochwertigen Kaffee zu kultivieren bedarf 3 wesentlicher Grundvoraussetzungen: Ganzjährig Temperaturen zwischen 10 und 30 Grad, gute Durchlüftung (ideal ist die Konstante Meeresbrise vor Ort) und ausreichend Wasser. Gerade letzteres war vor 150 Jahren stets ausreichend vorhanden. Eine ausgewachsene Kaffeeplanze (in dieser Region werden die Pflanzen auf etwa 2m Höhe gehalten) benötigt etwa 300 Liter Wasser pro Jahr auf einer Fläche von 1m².

Binnen kurzer Zeit begannen sämtliche Fincas des Tals mit dem kommerziellen Anbau, sodass über 15 Familien und unzählige Helfer zum Höhepunkt des Kaffeeanbaus um ca. 1890 bis zu 10.000kg Rohkaffeebohnen anbauen konnten. Aufgrund der geografischen Nähe zu Europa und den damals günstig verfügbaren Erntehelfer war dies auch durchaus rentabel.

Mit dem Einsetzen einer Dürreperiode auf Gran Canaria zwischen 1920 bis 1940 sanken die Grundwasserspiegel und die Menge des verfügbaren Nutzwassers ging permanent zurück.

Dies führte zu einer Privatisierung der Wasserrechte im Tal und die Fincas müssen das nötige Wasser von einem von nur 4 Wasserspeichern teuer kaufen.

Aus diesem Grund ging die Kaffeeproduktion lange stark zurück und die Landwirte konzentrierten sich auf den viel lukrativeren Anbau von Mangos, Mandarinen, Avocados etc.

Der vorläufige Tiefpunkt im Jahr 1990 lag bei nur noch 200kg Rohkaffee.

Durch ein neues Förderprojekt der Kanaren im Jahr 2005 und dadurch ermöglichter Subventionen konnte der einst so wichtige Kaffeeanbau wieder gepusht werden und Dank des Einsatzes und vor allem auch der Leidenschaft einzelner Landwirte kann seither der Output langsam aber stetig wieder gesteigert werden.

Selbstverständlich wird hier aber nicht mehr für den Massenmarkt produziert. Dies wäre alleine Aufgrund der Lohn-und Bewirtschaftungskosten völlig unmöglich. Vielmehr konzentriert man sich auf hochwertigste Spezialitätenkaffees, wie dem von der Finca Los Castanos.

Die Finca Los Castanos

Die Finca Los Castanos

Die zweifellos bekannteste Plantage im Valle de Agaete ist die Finca Los Castanos des SCA Trainers (Baristakurse, Röstkurse, Anbaukurse etc.), Q-Graders und Q-Processing Experten ANTONIO MARQUEZ BEOTEGUI. 

Hier wird ausschließlich Arabica Kaffee angebaut...und zwar zu 95% Coffea Arabica Tipica (Sozusagen der Urkaffee) und zu 5% eine nahezu unglaubliche Seltenheit... Coffea Arabica Geisha. Das besondere an Antonio's Geisha Pflanzen: Sie entstammen selbst mitgebrachten Setzlingen, die er von der berühmten Familie Petersen in Panama von der Hacienda La Esmeralda geschenkt bekommen hat. Dieser Kaffee gilt als einer der besten, wenn nicht der beste Kaffee der Welt. Und tatsächlich hat es auch Antonio mit seinen Bohnen bereits auf einen Cupping Score von 89 Punkten gebracht. Unter Kennern der Specialty Coffee Szene entsteht bei solchen Werten allzuhäufig ein sehnlicher Wunsch diesen Kaffee zumindest einmal trinken zu können/dürfen.

 

Die Besichtigung

Die Führung auf Englisch durch den Chef Antonio persönlich hatte ich schon von Österreich aus gebucht. Sie dauert etwa 1,5h und beginnt Dienstags immer um 12.40 Uhr. So der Plan. Natürlich ließ uns Antonio noch die übliche spanische Viertelstunde warten. Das war aber nicht weiter tragisch, da wir in dieser Zeit schon zahlreiche Blicke auf die Finca, unzählige Kaffeesträucher und vor allem auch imposant...riesige Avocado, Mango und weitere Fruchtbäume und Sträucher werfen konnten.

Insgesamt 9 Erwachsene Besucher und unsere 7 jährige Tochter waren bei der Tour dabei. Für Kinder ist der Besuch kostenlos. Erwachsene zahlen nur € 8,00 pro Person. Soviel sei gesagt, hätte es das doppelte gekostet, wär ich damit auch okay gewesen.

Antonio erzählt voller Leidenschaft stolz von der Geschichte des Kaffeeanbaus, vermittelt Basiswissen zu Gattungen und Varietäten, Wachstum, Ernteerträge und die wichtigsten Prozesse rund um das Thema Kaffeeanbau. Das alles mit einer guten Prise Humor und Lockerheit und was wir als extrem angenehm empfanden, er wiederholt die wichtigsten Facts am Ende jedes Themengebiets noch einmal. So bleibt da echt was hängen.

Nach der 15 minütigen Einführung gehts auch sogleich auf die Plantage zur ersten Kaffeeplanze. Diese trägt auch jetzt, nach der ersten Erntezeit des Jahres (April bis Juni) noch vereinzelt Kirschen. 

Antonio pflückt eine Kirsche und erklärt den mehrschichtigen Aufbau der Frucht:

Schale, Fruchtfleisch, Kern mit Pektinschicht, Pergamenthaut, Silberhäutchen und letztlich Bohne:

v.l.n.r.: Kaffeekirsche frisch vom Strauch, getrocknete Kaffeekirsche (nach 35 Tagen am African Bed - natural processed), Kern der Kirsche noch mit der Umhüllung (Pergamenthaut) und Silberhäutchen, Rohkaffeebohne (bereit zum Rösten)

Alles bis auf die Bohne selbst wird nach dem Trennen als Kompost wiederverwendet.

Im Anschluss an die kurze Theorie erfolgt die Praxis. Schon spannend einmal selbst eine getrocknete Kaffeekirsche zu öffnen und die einzelnen Schichten bis zur Bohne selbst freizulegen.

Nun haben wir 10 bis 15 Minuten Zeit uns frei auf der Plantage zu bewegen und uns die vielen Pflanzen selbst aus nächster Nähe anzusehen. Auch die verschiedenen Trocknungsstufen des natural processings können wir am „Muster African Bed“ besichtigen.

Die Kaffeeschule

Voller Stolz führt uns Antonio danach auch in seine beiden Schulungsräume, und erzählt uns von Labortests und Reifetests, Säuremessungen und Restfeuchte und von der idealen Röstung und Zubereitung seiner Kaffees.

Seine eigenen Ausbildungen zum Thema können sich sehen lassen, eine Wandhälfte des Schulungsraums wird geziert von Zertifikaten und Zeugnissen.

Die spätere Zubereitung erfolgt auf einer 3 gruppigen Dalla Corte.

Seit 16 Jahren der Probenröster für einzelne Ernten. Made in China. Ziemlich trashy vom Material her, sagt Antonio, aber „still works“:

Der richtige Röster steht in seinem Coffeeshop Cafeteros in Las Palmas. Dieses konnte ich leider nicht mehr besuchen, da seine Mitarbeiter gerade auf Sommerurlaub weilen.

Antonio in seinem Element:

Zum Abschluss der Tour gabs dann noch eine Q&A Session, begleitet von unglaublich leckerem Espresso und Flat White.

Nicht nur der erste gute Kaffee nach 6 Tagen (Gran Canaria ist Kaffeetechnisch eine Katastrophe in den Lokalen….am besten ist noch der Vollautomatenkaffee im All Inclusive Tempel), sondern ungelogen, einer der besten 100% Arabica City Roasts, die ich je getrunken habe. Nicht verwunderlich aber absolut beeindruckend, die ausgewogenheit aus Aroma, zarter Säure, Fruchtigkeit und Schokoladiges, Süsses in einem. Ein Genuss.

Fazit

Für euren Don Dealer – dem Paten des guten Kaffees eine mehr als empfehlenswerte Reise, die ich so schnell nicht vergessen werde. Würde ich das Erlebnis bewerten müssen, würde ich 9,5 von 10 Sternen vergeben. Der halbe fehlt nur deshalb, weil Antonio nicht mehr genug Bohnen da hatte zum mitnehmen. So trete ich die Heimreise „nur“ mit 125g Bohnen an. Diese gabs um € 10,00 zu erwerben. Ein völlig gerechtfertigter Preis für eine once in a liftetime Spezialität.

Der Preis übrigens ensteht in erster Linie durch die Lohnkosten und Wasserkosten vor Ort. Tatsächlich liegen die Lohnkosten runtergerechnet auf 1kg fertigen Röstkaffee allein bei fast € 40,00!!!

 

Ich hoffe euch hat mein kleiner Einblick gefallen, ich freu mich über Kommentare und Anregungen und auch Fragen!

 

Bis Bald

Euer Don Dealer -alias- Daniel

Hier noch Quickfacts:

  • Kaffeeanbau auf der Insel seit 150 Jahren
  • Los Castanos hat etwa 1200 Pflanzen auf 2ha
  • Antonio betreibt auch den Coffeeshop Cafeteros in Las Palmas
  • Im Tal hats immer 15 bis 28 Grad Celsius und mittlere Luftfeuchtigkeit.
  • 300 Liter Wasser braucht 1 Pflanze pro Jahr für etwa 7kg Kaffeekirschen...was etwa 800g Röstkaffee ergibt.
  • 400 bis 500kg Kaffee wird auf Los Castanos im Jahr produziert.
  • Angebaut wird Arabica Tipica und Arabica Geisha (Gesha)
  • Aufbereitung ausschließlich natural processed. 30 bis 35 Tage am african bed.
  • Reife des Rohkaffees zwischen 2 und 6 Monaten nach Trocknung im Sack.
  • Antonio röstet nur mittlere Röstungen.
  • Der fertige Kaffee kostet stolze aber verständliche € 80,00 pro Kilogramm.

 

Hier noch ein paar Fotos:

 

 

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